2026 ist das internationale UN-Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums
Der NABU Köllertal begrüßt diese Entscheidung und will so die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Leistungen der Beweidung für das Tierwohl und den Natur- und Klimaschutz lenken. Weidelandschaften sind nämlich weit mehr als nur eingezäunte Wiesen, auf denen Tiere grasen. Sie sind komplexe Ökosysteme, die eine besonders wichtige Rolle für Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und sogar den Klimaschutz spielen.

Wenn Weidetiere Gras und Gehölze fressen, schaffen sie nicht nur Licht für nachwachsende Pflanzen, sondern regen auch das Graswachstum an. Ihre Hufe und Klauen sorgen für eine abwechslungsreiche Bodenstruktur: Während sie durch das Treten dichte Grasnarben formen, entstehen gleichzeitig Lücken, in denen andere Pflanzenarten keimen können. So fördern sie die Vielfalt der Vegetation und Pflanzenarten tauchen wieder auf, die jahrelang verschollen waren wie z.B.Orchideen.
In feuchten Gebieten wie der Köllertalaue wird mit schonender Beweidung die Verdichtung des Bodens durch schwere Maschinen vermieden. Nicht zuletzt kann der Boden besser Wasser speichern, wenn er beweidet wird. Davon profitieren vor allem Amphibien, Froschkonzerte sind im Köllertal an vielen Stellen wieder zu hören.
Ein einziges Rind produziert pro Monat rund 1 Tonne Kuhfladen, die wiederum etwa 100 Kilo Insekten anlocken und so etwa 10 Kilo Vogelfutter produzieren. Mit der Einführung der ganzjährigen Stallhaltung begann der rasante Verlust an Insekten und daraus folgend auch der Rückgang an Vögeln und anderen Insektenfressern.
Von der ganzjährigen Beweidung profitieren auch die Steppenrinder, die die Köllertalaue zwischen Etzenhofen und Walpershofen offenhalten. Neu ist eine Herde von Dexter-Minirindern, die höchstens 300 Kilogramm schwer werden und jetzt ganzjährig mithelfen, am Teufelsberg in Wahlschied Flächen von Verbuschung freizuhalten. Die Freilandhaltung ermöglicht allen Rinderarten arttypisches Verhalten wie Grasen, Ruhen und soziale Interaktionen. Die Muskulatur der Tiere wird durch die zusätzliche Bewegungsfreiheit gestärkt, was sich positiv auf die körperliche Konstitution auswirkt. Angepasste robuste Weiderassen sind im Gegensatz zu hochgezüchteten Hochleistungsrassen widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Witterungseinflüssen. Gemeinsam mit frischer Luft, natürlichem Licht und einer abwechslungsreichen Umgebung fördert Weidehaltung die Gesundheit sowie das allgemeine Wohlbefinden der Tiere. Von großem Vorteil ist auch, dass auf den extensiv betriebenen Weiden plötzlich wieder Tierarten auftauchen, die vorher jahrelang dort verschollen waren wie z.B. Biber, Storch, Uhu und Eisvogel, die wieder im Köllertal anzutreffen sind.