Vom Aussterben bedrohte Bergschafe im Naturschutzgebiet Bergehalde Viktoria

Im Köllertal, genauer gesagt im Bereich der Bergehalde Viktoria befindet sich ein Naturschutzgebiet, welches zum größten Teil aus Wald besteht, ein weiterer Teil jedoch findet sich als brachgefallene Fläche wieder. Dazwischen liegt eine Streuobstwiese mit alten Baumbeständen. Hier soll das geplante Projekt gemeinsam mit dem NABU Köllertal angesiedelt werden. Es hat zum Ziel, unser Naturschutzgebiet zu erhalten, zu pflegen und vor allem auf diesen Flächen die Artenvielfalt zu sichern. Wir möchten mit Weidetieren im Sinne einer naturschutzorientierten Beweidung die Erholungslandschaft im Köllertal nachhaltig prägen.
Was wären Wiesen und Weiden ohne Weidetiere? Tiere beleben das Landschaftsbild. Wir wünschen uns einen Ort zum Innehalten, um die friedlichen Tiere und das Zusammenspiel zwischen Flora und Fauna wahrzunehmen - einen Moment der Erholung.
Eine kleine, überschaubare Bergschaf-Herde soll im Köllertal ihr neues Zuhause finden um sich fortzupflanzen.
Weidetiere, im Besonderen Schafe sind sogenannte „Schlüsselarten“, die durch ihr Verhalten und ihre Lebensweise einen Lebensraum für andere Arten schaffen. Durch eine extensive Beweidung soll die Artenvielfalt erhöht und gefährdete Offenlandarten unterstützt werden. Hierzu zählt z.B. unser Feldhase, der schon seit einigen Jahren bundesweit auf der roten Liste geführt wird. Durch den Tritt und den Fraß der Schafe entstehen essentielle Nahrungs-, Habitat-, Refugial- und Fortpflanzungsräume. Stark beschattete Gehölze werden ausgelichtet, wodurch ein gewünschtes Strukturmosaik aus überständiger Vegetation, Tothölzern und Zonen mit niedrigem Wuchs entsteht. Denn erst kurzrasige Flächen ermöglichen es einigen Vögeln wie z.B. dem Star auf Nahrungssuche zu gehen. Manche Tierarten sind sogar ganz auf offenen Boden angewiesen. Viele Insekten benötigen solche offenen Bodenflächen, um den Verschluss ihrer Bruthöhlen zu finden. Auch der mittlerweile seltene Steinkauz benötigt nicht nur Bruthöhlen in alten Weiden oder Bäumen von Streuobstwiesen, sondern Zonen niedrig wachsender Vegetation zur Nahrungssuche. Auf solchen Weiden wimmelt es nur so von Heupferdchen, Laufkäfern und vielen weiteren sechsbeinigen Tieren.

 

 

Da es sich bei dem geplanten Projekt überwiegend um brach gefallene Flächen handelt, können durch eine solche Form der Beweidung nicht nur die Wildtiere, sondern auch viele Pflanzen profitieren. Für alle zu dem Projekt gehörenden Grundstücke besteht mit den Eigentümern einen Pachtvertrag über 10 Jahre. Das Projekt wurde bereits vom Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz genehmigt. Eine extensive Beweidung ist unter vielen Naturschutzaspekten einer völligen Verbrachung vorzuziehen. Die schwarzen Bergschafe dienen somit der Biotoppflege, indem eine ganzjährige Standweide (Wechselbeweidung) mit Offenstall im Naturschutzgebiet Bergehalde Viktoria installiert werden soll und gegebenenfalls werden weitere Teile des NSG in das Projekt integriert. Die dort bereits seit vielen Jahren bestehende Streuobstwiese kann rundherum ebenfalls durch die Schafe offengehalten werden. Streuobstwiesen zählen übrigens zu den weltweit bedrohten Biotopen und stehen - wie die Bergschafe - auf der roten Liste und sollten besonders geschützt werden. Hier treten Biotop und Weidetier in eine besondere wechselseitige Beziehung. Das Biotop wird gepflegt und gedüngt, den bedrohten Schafen stellt es Lebensraum und Nahrung zur Verfügung.
Verbaut wird nur tiergerechtes Stall- und Zaunmaterial. Es wird darauf geachtet, dass die Zäune so aufgestellt werden, dass sie für Wildtiere durchgängig sind. Zunächst soll das Projekt mit 4 Bergschafen aus Herdbuchzucht gestartet werden. Sollte die überschaubare Schafherde (ca. 0,5-0,8 GV/ha) nicht ausreichen, das Gebiet weitflächig und dauerhaft offen zu halten und eine Verbuschung zu verhindern, kann auch über eine Mischtierbeweidung mit Ziegen nachgedacht werden. Auch dies ist ganz im Sinne einer extensiven Weidehaltung und sorgt für abwechslungsreiche Natur-und Tierbeobachtungen.
Zusammenfassend ergeben sich durch das eine geplante Projekt gleich mehrere positive Aspekte, die hervorzuheben sind: Artenschutz durch den Erhalt der Bergschafe, Biotopvernetzung, Steigerung der Artenvielfalt für Flora und Fauna und ein idyllisches Landschaftsbild für das Köllertal.
Finanziert werden soll das Projekt durch Sponsoren, die sich mit dem Naturschutz identifizieren, sowie Spenden und Patenschaften für unsere Bergschafherde und deren Nachwuchs.

Projektleitung:
Dr. Michaela und Tobias Neudeck
Fichtestraße 5
66346 Ko?llerbach
Mobil: 0151-54892287
nabu.neudeckgmail.com

Quellen
https://www.nabu.de/natur-und- landschaft/landnutzung/landwirtschaft/artenvielfalt/lebensraum/23771.html
Zahn, A. (2014): Einführung in die naturschutzorientierte Beweidung. - In: Burkart-Aicher, A. et al., Online-Handbuch "Beweidung im Naturschutz", Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL),
Laufen, https://www.anl.bayern.de/fachinformationen/beweidung/handbuchinhalt.htm